Girl'sDay 2018

Lexikon: Griechisch

09.10.17 / Sprachlexikon

Das kleine Sprachlexikon: Die griechische Sprache

Das kleine Sprachlexikon: Die griechische Sprache
Die homerischen Epen, die Dramen von Sophokles, die Schriften von Platon oder das Neue Testament: Die abendländische Kultur ist maßgeblich durch die griechische Antike geprägt. Daher widmen wir uns heute dieser Sprache.

Die griechische Sprache gehört zu der Sprachfamilie der indogermanischen Sprachen. Griechisch stellt wiederum einen eigenständigen Zweig dar. Wenn wir allgemein von der griechischen Sprache reden, meinen wir natürlich das Neugriechische (Neoellinikí Kiní / Νεοελληνική κοινή), also die Sprache die heutzutage gesprochen wird. Neben dem Altgriechischen, das seine Ausprägung ca. 800 bis 300 v. Chr.fand, gibt es noch weitere Entwicklungsstufen der griechischen Sprache. Das Urgriechische lässt sich auf ca. 2000 v. Chr. datieren, Mykenisch wurde ca. 1600–1100 v. Chr. gesprochen. Die Entwicklung zum Neugriechischen fand über Koine, welches vom Hellenismus bis in die römische Kaiserzeit (etwa 300 v. Chr. bis 600 n. Chr.) gesprochen wurde, über das spätantike Griechisch und über das Mittelgriechische statt.

Nach der Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 durch die Osmanen und dem Zerfall des byzantinischen Reichs hatte die griechische Sprache keinen offiziellen Status mehr. Vereinzelt wurde sie noch in den von den Osmanen besetzten griechischen Gebieten gesprochen. Nach der Revolution und der Gründung des Königreichs Griechenland (1830) wurde Griechisch zur alleinigen Amtssprache. Im Neugriechischen unterschied man bis 1976 zwei verschiedenen Sprachformen: Dimotiki (Δημοτική) und Katharevousa (Καθαρεύουσα). Dimotiki ist die traditionelle Umgangssprache, Katharevousa ist eine Kunstsprache, die an das klassische Griechisch angelehnt wurde. Nationale gebildete Kreise wollten dadurch eine Kontinuität zur großen Vergangenheit der griechischen Antike schaffen. Katharevousa wurde jedoch nach dem Ende der griechischen Militärdiktatur als Amtssprache abgeschafft. Viele Wörter aus Katharevousa hielten jedoch Einzug in die gesprochene Sprache, so dass das heute gesprochene Neugriechisch als eine Art Synthese aus diesen zwei Sprachformen gilt.

Die neugriechische Sprache wird sehr einheitlich gesprochen. Dennoch kann man leichte Unterschiede feststellen, so dass sich zwei Dialektarten unterteilen lassen: die nördlichen und die südlichen Dialekte. Die nördlichen Dialekte werden auf dem griechischen Festland nördlich von Chalkida sowie auf den Nördlichen Sporaden sowie auf den Inseln Thasos, Samothraki, Limnos, Lesbos und Samos gesprochen. Die südlichen Dialekte werden in Peloponnesisch-Ionisch, Alt-Athenisch und Maniotisch, Kretisch-Kykladisch sowie in die südöstlichen Dialekte aufgeteilt.

Die Betonung im Griechischen liegt auf genau einer Silbe und wird in der Schrift durch einen Akzent signalisiert. So kommt es zu dem Umstand, dass sich manche Wörter nur durch die Betonung unterscheiden (zum Beispiel nómos (νόμος, das Gesetz) und nomós (νομός, der Bezirk)). So kann es schnell zu Verwechslungen kommen, wenn man als Nicht-Muttersprachler mit der Aussprache nicht vertraut ist.

Das Neugriechische hat im Laufe der Jahrhunderte viele Wörter vor allem aus dem Italienischen, Türkischen, Französischen und Englischen übernommen. So wurde zum Beispiel aus dem italienischen scala (Treppe) das griechische σκάλα (skála), aus dem türkischen tüfek (Gewehr) τουφέκι (touféki), aus dem französischen crayon (Lippenstift) κραγιόν (kragión) oder aus dem englischen sandwich σάντουιτς (sándouits).

Trotz der turbulenten griechischen Geschichte und der Entwicklung der griechischen Sprache besteht das griechische Alphabet seit 403 v. Chr. nahezu unverändert. Das griechische Alphabet ist eine Weiterentwicklung der phönizischen Schrift und gilt als erste wirkliche Alphabetschrift, aus der sich später das lateinische, kyrillische und koptische Alphabet entwickelt haben.


Fakten zur griechischen Sprache:

  • Verbreitung: Griechenland, Zypern, Albanien, Mazedonien, Türkei, Bulgarien
  • Amtssprache in: Griechenland, Zypern, Europäische Union
  • Sprecher(innen): ca. 13,1 Millionen
  • Sprachcodes: el (ISO 639-1), gre (ISO 639-2,B), ell (ISO 639-2,T), ell (ISO 639-3)
  • Linguistische Klassifikation: Indogermanische Sprachen - Griechisch - Neugriechisch



Foto: tilialucida - fotolia.com

Nike Maria Vassil Nike Maria Vassil
  • Sprache: Griechisch
  • Sprachalter: dreißiger
Konstantinos Papathanasiou Konstantinos Papathanasiou
  • Sprache: Griechisch
  • Sprachalter: dreißiger

Schreiben Sie einen Kommentar

Sie können hier diesen Blogartikel kommentieren. Bitte geben Sie dazu auch Ihre Emailadresse an. Wir schicken Ihnen nach dem Absenden einen Bestätigungslink, mit dem Sie Ihren Kommentar freischalten können.

Wir verwenden Ihre Emailadresse ausschließlich für das Versenden des Bestätigungslinks. Ihr Emailadresse erscheint nicht öffentlich.

Ähnliche Artikel

28.08.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Isländisch

Heute reisen wir in unserer Blog-Serie 'Das kleine Sprachlexikon' an einen mystischen Ort von Feuer und Eis knapp unterhalb des nördlichen Polarkreises, wo ein Computer 'Zahlenwahrsagerin', ein Flugzeug 'Schneller Vogel' und elektrischer Strom 'Bernstein-Kraft' heißt: Island!
24.07.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Chinesisch

In unserer Serie "Das kleine Sprachlexikon" bewegen wir uns heute in eine Sprachraum, der größer als Europa ist. Warum sich Sprecher der neun Hauptdialekte nicht miteinander unterhalten, aber dennoch miteinander schreiben können, erfahrt Ihr in unserem Artikel.
07.08.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Maltesisch

In unserer Serie 'Das kleine Sprachlexikon' stellen wir Euch heute Maltesisch vor. Die Sprache der Insel Malta hat sich einst aus dem maghrebinischen Arabisch entwickelt, ist die einzige semitische Sprache in Europa und auch die einzige, die das lateinische Alphabet verwendet.

Neuste Blog-Einträge

04.05.18 / Sprecher

Neue Sprecher im Mai

Der Sommer ist eingeleitet! Während viele schon ihre Urlaubssachen gepackt haben und in den Startlöchern stehen, möchten wir euch unsere neuen Stimmen im Mai vorstellen. Willkommen, welcome, welkom, wëllkëmm und huānyíng bei speaker-search!
26.04.18 / Studio & Technik

Girls'Day 2018

Heute fand der Girls'Day 2018 statt. Eine Selbstverständlichkeit für uns, uns daran auch dieses Jahr wieder zu beteiligen. Zusammen mit unserem Tonmeister Fabian Lackas und Sprecherin Susanne Hauf haben wir drei Schülerinnen die Berufe in einem Tonstudio näher gebracht.
23.04.18 / Sprachlexikon

Lexikon: Luxemburgisch

Wie wichtige eine Sprache für die nationale Identität sein kann, lässt sich gut anhand der luxemburgischen Sprache zeigen. Mitteldeutsche Sprachvarietät oder eigenständige Sprache? In unserer Serie 'Das kleine Sprachlexikon' stellen wir Euch heute Lëtzebuergesch vor.